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Ehrenamtsförderung soll Staatsziel sein

Seit Jahren fordert der Kinderschutzbund auf Landesebene, dass Kinderrechte in der Hessischen Verfassung verankert werden. Jetzt endlich sind die Kinderrechte am kommenden Sonntag einer von 15 Punkten bei der Volksabstimmung zur Verfassungsänderung. Um das Anliegen zu unterstützen, hat sich der Wetzlarer Kinderschutzbund an den landesweiten Aktionen „Kinderrechte in die Verfassung“ beteiligt. Die Vorschulgruppenkinder der Kita Johanneshof haben gebastelt und ein buntes Bild gestaltet. Symbolisch schicken sie einen bunten Vogelschwarm in die Welt. Jedes Kind, ganz gleich wo es lebt, soll erfahren, dass es Rechte hat. Kinderrechte sollen für alle Kinder dieser Erde gelten. Die Kita-Kinder haben dazu auf von ihnen gebastelten Vögeln notiert, welches Recht ihnen für alle Kinder wichtig erscheint. (red/Foto: privat)

VERFASSUNG Kreisbeigeordneter Wolfgang Hofmann wünscht sich starke Beteiligung an Volksabstimmung

WETZLAR (von Uwe Röndigs). Am Sonntag steht der neue Landtag zur Wahl, außerdem sind 4,4 Millionen Hessen aufgerufen, über die größte Verfassungsreform seit 71 Jahren abzustimmen. Wolfgang Hofmann, ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter für die Bereiche Sport, Kultur und Ehrenamt, begrüßt das.

Herr Hofmann, nach dem Referendum könnte es erstmals sogenannte Staatsziele in der Verfassung geben. Zu diesen sollen unter anderem die Förderung des Ehrenamts, der Kultur, die Sportförderung und die Förderung der Nachhaltigkeit zählen. Was erwarten Sie davon?

Wolfgang Hofmann: Zunächst begrüße ich die Verfassungsreform und insbesondere die Förderung von Ehrenamt, Sport, Kultur und Nachhaltigkeit als Staatsziele ausdrücklich. Dabei wundert mich sehr, dass diese Reform, der eine breite Mehrheit der im Landtag vertretenen Parteien zugestimmt hat, von diesen nicht stärker beworben wird. Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen sich an der Abstimmung – und zugleich an der Landtagswahl – beteiligen. Je größer die Zustimmung, desto stärker ist der Druck auf die Adressaten Land, Kreise, Städte und Gemeinden, ihr Handeln an den genannten Staatszielen zu orientieren. Deshalb wünsche ich mir eine große Beteiligung und hoffe auf eine breite Zustimmung. Dann können sich daraus Chancen ergeben.

Wer A sagt, muss auch B sagen: Wenn schon die Ehrenamtsförderung Verfassungsrang bekommt, was muss dann das Land konkret tun, damit Menschen gern Ehrenämter übernehmen?

Hofmann: Das Land sollte eine Kampagne unter Einbeziehung der Schulen und abgestimmt mit den Kreisen und Gemeinden zugunsten ehrenamtlichen Engagements starten. Dabei sollten die Sinnhaftigkeit freiwilliger, gemeinnütziger Tätigkeit und die damit zu verbindende öffentliche Wertschätzung im Vordergrund stehen. Daneben ist das Land – bereits jetzt nach Artikel 137 Abs. 5 der Hessischen Verfassung – verpflichtet, den Kreisen und Gemeinden die für ihre freiwilligen Aufgaben notwendigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, weil die meisten ehrenamtlichen Aktivitäten sich im kommunalen Bereich bewegen.

Was wird heute – auch auf Kreisebene – investiert?

Hofmann: Der Lahn-Dill-Kreis investiert vor allem in Köpfe. Wir bieten regelmäßig Informations- und Qualifizierungsveranstaltungen an. Diese werden mit Landesmitteln unterstützt, gut besucht und von den Teilnehmern regelmäßig positiv bewertet. Im Übrigen konzentrieren sich die kommunalen Investitionen bei den Gemeinden auf Bürgerhäuser, Sportstätten, Schwimmbäder und Einrichtungen der Feuerwehren. In den Kreisen liegt der Schwerpunkt bei den Sporthallen, die für schulische Zwecke vorgehalten und den Vereinen unentgeltlich überlassen werden.

Was wäre nötig und wünschenswert?

Hofmann: Personell und finanziell verstärkte Kooperationen zwischen den kommunalen Ebenen und dem Freiwilligenzentrum Mittelhessen wären schön. Auf dem Gebiet der Kultur gibt es ein Stadt-Land-Gefälle, das z.B. im Bereich der Museen zur regionalen Attraktivität beiträgt und zur Wahrung des historischen Erbes ergänzende Investitionen verlangt.

Sie sind Ehrenamtspraktiker: Was sind die wichtigsten Probleme?

Hofmann: Die wichtigsten Probleme des Ehrenamts entsprechen denen unserer Gesellschaft. In Stichworten: Demografische Entwicklung, Urbanisierung, Digitalisierung, Integrations- und Motivationsdefizite. Das Thema „Anerkennung/Ehrung“ bürgerschaftlichen Engagements sollte auf allen Ebenen neu überdacht werden.

Die Ehrenamtscard war ein Versuch, Anreize von offizieller Seite zu geben. Hat sich das gelohnt? Wird das akzeptiert?

Hofmann: Die Ehrenamts-card ist ein gut gemeinter Versuch des Landes. Durch die seit Beginn des Jahres 2018 engere Kooperation zwischen Kreis und den Städten und Gemeinden haben sich die Zahlen der Karteninhaberinnen und -inhaber verbessert. Dennoch möchten und müssen wir weiterhin an der Bekanntheit der Ehrenamtscard arbeiten und für sie werben.

Wie lassen sich junge Leute für das Ehrenamt gewinnen?

Hofmann: Meines Erachtens am ehesten durch Eltern und Lehrer/innen aber auch andere Ideale, die als überzeugende Vorbilder das ehrenamtliche, bürgerschaftliche Engagement vorleben. Die Motivation junger Menschen ist und bleibt eine unserer größten Herausforderungen.

(Wetzlarer Neue Zeitung, 26.10.2018)